Infrarotheizung Stromverbrauch – genau an diesem Punkt entscheidet sich, ob die schlanken Heizpaneele für dich eine clevere Lösung oder eine teure Falle sind. Die Geräte kosten wenig in der Anschaffung, wandeln aber jede Kilowattstunde Strom nur in eine Kilowattstunde Wärme um. Wir rechnen dir vor, was das bei aktuellen Strompreisen bedeutet, wie sich die Infrarotheizung gegen die Wärmepumpe schlägt und wann sie trotzdem die richtige Wahl ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Infrarotheizung verbraucht pro Kilowattstunde Wärme rund eine Kilowattstunde Strom – eine Wärmepumpe nur etwa ein Drittel davon.
- Als Faustregel brauchst du je nach Dämmung 60 bis 100 Watt Heizleistung pro Quadratmeter.
- Ein 600-Watt-Paneel kostet bei 35 Cent pro kWh rund 21 Cent pro Betriebsstunde.
- Als Hauptheizung im ungedämmten Haus wird es teuer, für Bad, Hobbyraum oder sehr gut gedämmte Häuser kann sie sinnvoll sein.
- Seit Juli 2026 regelt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz Stromdirektheizungen strenger.
Wie funktioniert eine Infrarotheizung?
Eine Infrarotheizung erwärmt nicht in erster Linie die Luft, sondern Oberflächen: Wände, Möbel und deinen Körper. Das Prinzip kennst du von der Sonne – schon bei kühler Luft fühlt sich direkte Strahlung angenehm warm an. Deshalb empfinden viele Menschen einen Raum mit Infrarotheizung bei ein bis zwei Grad niedrigerer Lufttemperatur als genauso behaglich.
Technisch steckt in jedem Paneel ein elektrischer Heizleiter. Er wandelt Strom fast vollständig in Wärme um, ein Teil davon wird als Infrarotstrahlung abgegeben. Untersuchungen zeigen allerdings, dass der Strahlungsanteil bei vielen Geräten deutlich unter den beworbenen Werten liegt. Der Rest geht als normale Konvektionswärme in die Luft.
Bauformen im Überblick
- Wandpaneele: der Klassiker, oft als Bild, Spiegel oder weiße Platte
- Deckenpaneele: gleichmäßige Verteilung, keine Stellfläche an der Wand nötig
- Spiegelheizungen: ideal fürs Bad, weil der Spiegel nicht beschlägt
- Standgeräte und Heizstrahler: mobil, eher für punktuelle Wärme
Infrarotheizung Stromverbrauch: So rechnest du richtig
Der Stromverbrauch einer Infrarotheizung ergibt sich aus Leistung mal Betriebsstunden. Ein 600-Watt-Paneel, das eine Stunde mit voller Leistung läuft, verbraucht 0,6 kWh. Bei einem Strompreis von 35 Cent pro kWh kostet dich das rund 21 Cent.
In der Praxis läuft das Gerät aber nicht dauerhaft. Ein Thermostat schaltet es ein und aus, sobald die Zieltemperatur erreicht ist. Wie oft das passiert, hängt vor allem von der Dämmung, der Außentemperatur und deiner Wunschtemperatur ab. Seriöse Planer rechnen deshalb nicht mit Betriebsstunden, sondern mit dem Wärmebedarf des Raums oder Hauses.
Die Faustformel für die Heizleistung
| Gebäudezustand | Heizleistung pro m² | Beispiel 20 m² Raum |
|---|---|---|
| Neubau / Effizienzhaus | ca. 60 W | 1.200 W |
| teilsanierter Altbau | ca. 80 W | 1.600 W |
| ungedämmter Altbau | ca. 100 W und mehr | 2.000 W und mehr |
Diese Werte bestimmen, wie groß deine Paneele sein müssen. Über die jährlichen Kosten sagen sie allein noch wenig – dafür brauchst du den Jahreswärmebedarf.

Was kostet eine Infrarotheizung im Jahr?
Wie viel du zahlst, hängt fast vollständig vom Wärmebedarf ab. Weil eine Infrarotheizung pro kWh Wärme rund eine kWh Strom braucht, entspricht dein Stromverbrauch etwa deinem Heizwärmebedarf. Bei 35 Cent pro kWh kostet dich jede Kilowattstunde Wärme also rund 35 Cent.
Rechenbeispiel 1: Badezimmer
Du heizt ein 6 Quadratmeter großes Bad mit einer 600-Watt-Spiegelheizung. Sie läuft an 200 Tagen im Jahr jeweils rund zwei Stunden mit voller Leistung.
- Verbrauch: 0,6 kW × 2 h × 200 Tage = 240 kWh
- Kosten: 240 kWh × 0,35 € = rund 84 Euro pro Jahr
Für eine schnelle Zusatzwärme am Morgen ist das ein fairer Preis – vor allem, wenn deine Zentralheizung sonst nur fürs Bad länger laufen müsste.
Rechenbeispiel 2: Einfamilienhaus als Hauptheizung
Ein Einfamilienhaus mit 120 Quadratmetern wird komplett elektrisch beheizt. Entscheidend ist der Heizwärmebedarf pro Quadratmeter und Jahr.
| Haustyp | Wärmebedarf | Stromverbrauch Infrarot | Kosten bei 35 ct/kWh |
|---|---|---|---|
| sehr gut gedämmter Neubau (40 kWh/m²) | 4.800 kWh | ca. 4.800 kWh | ca. 1.680 € |
| teilsanierter Altbau (100 kWh/m²) | 12.000 kWh | ca. 12.000 kWh | ca. 4.200 € |
| ungedämmter Altbau (160 kWh/m²) | 19.200 kWh | ca. 19.200 kWh | ca. 6.720 € |
Die Zahlen zeigen: Als Hauptheizung lohnt sich eine Infrarotheizung nur in sehr gut gedämmten Gebäuden. Im unsanierten Altbau explodieren die Kosten. Ein günstiger Heizstromtarif hilft nur bedingt, denn laut Verbraucherzentrale gibt es für Infrarotheizungen oft keinen günstigen Heizstrom.
Infrarotheizung Stromverbrauch im Vergleich zur Wärmepumpe
Der große Unterschied liegt in der Effizienz. Eine Wärmepumpe holt den größten Teil der Wärme aus Luft, Erde oder Grundwasser und braucht Strom nur für den Antrieb. Mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5 erzeugt sie aus einer kWh Strom rund 3,5 kWh Wärme.
| Kennwert | Infrarotheizung | Luft-Wärmepumpe (JAZ 3,5) |
|---|---|---|
| Strom pro 12.000 kWh Wärme | ca. 12.000 kWh | ca. 3.430 kWh |
| Strompreis (ca.) | 35 ct/kWh | 28 ct/kWh (Wärmepumpentarif) |
| Heizkosten pro Jahr | ca. 4.200 € | ca. 960 € |
| Anschaffung | niedrig (wenige tausend Euro) | hoch, aber gefördert |
| Wartung | praktisch keine | regelmäßig empfohlen |
Der Unterschied bei den laufenden Kosten liegt im Beispiel bei mehr als 3.000 Euro pro Jahr. Eine Wärmepumpe kostet in der Anschaffung zwar deutlich mehr, holt den Aufpreis über die Jahre aber in den meisten Häusern wieder herein. Wie das im Bestand funktioniert, liest du in unserem Ratgeber Wärmepumpe im Altbau.
Wann ist eine Infrarotheizung sinnvoll?
Trotz des hohen Stromverbrauchs gibt es Situationen, in denen die Infrarotheizung ihre Stärken ausspielt. Sie ist schnell montiert, braucht keinen Schornstein und keine Rohre, und sie reagiert sofort.
- Selten genutzte Räume: Gästezimmer, Hobbyraum oder Gartenhaus, die nur gelegentlich warm sein müssen
- Bad als Zusatzheizung: Spiegelheizung für die kurze Morgenwärme
- Sehr gut gedämmte Häuser: Passivhäuser mit minimalem Wärmebedarf
- Übergangszeit: Ein Paneel ersetzt das Anwerfen der Zentralheizung an kühlen Frühlingsabenden
- Kombination mit Photovoltaik: Tagsüber lässt sich Solarstrom direkt nutzen, im Winter liefert die Anlage allerdings wenig
Nicht geeignet ist die Infrarotheizung als alleinige Heizung im schlecht gedämmten Altbau. Dort verbessert eine gedämmte Fassade oder eine gedämmte Kellerdecke die Bilanz jeder Heizung spürbar.
Neue Regeln durch das Gebäudemodernisierungsgesetz
Seit dem 29. Juli 2026 gelten die ersten Teile des Gebäudemodernisierungsgesetzes, das das bisherige Gebäudeenergiegesetz ablöst. Die 65-Prozent-Regel für neue Heizungen ist gestrichen. Für Stromdirektheizungen wie Infrarotpaneele gelten dagegen erhöhte Anforderungen an den Wärmeschutz des Gebäudes, wenn sie als Hauptheizung eingebaut werden. Für selbst genutzte Ein- und Zweifamilienhäuser sind nach bisherigem Stand Ausnahmen vorgesehen. Lass dich vor dem Einbau als Hauptheizung von einem Energieberater beraten.
Infrarotheizung Stromverbrauch nach Raumgröße
Damit du deinen eigenen Fall schnell einordnen kannst, haben wir typische Räume durchgerechnet. Grundlage sind ein teilsanierter Altbau mit rund 80 Watt pro Quadratmeter, ein Strompreis von 35 Cent pro kWh und eine Heizsaison von 180 Tagen. Die Betriebsstunden beziehen sich auf die Volllast, die das Thermostat über den Tag verteilt.
| Raum | Fläche | Paneelleistung | Volllast pro Tag | Verbrauch pro Saison | Kosten pro Saison |
|---|---|---|---|---|---|
| Gäste-WC | 3 m² | 300 W | 2 h | ca. 110 kWh | ca. 38 € |
| Badezimmer | 8 m² | 700 W | 3 h | ca. 380 kWh | ca. 132 € |
| Arbeitszimmer | 12 m² | 1.000 W | 4 h | ca. 720 kWh | ca. 252 € |
| Wohnzimmer | 25 m² | 2.000 W | 6 h | ca. 2.160 kWh | ca. 756 € |
Der Stromverbrauch der Infrarotheizung steigt mit der Fläche und der Nutzungsdauer also schnell an. Ein Gäste-WC oder ein kleines Bad schlägt kaum zu Buche, ein dauerhaft beheiztes Wohnzimmer dagegen spürbar. Bei schlechterer Dämmung oder sehr kalten Wintern liegen die Werte höher, im gut gedämmten Haus deutlich niedriger.
Tipp: Vergleiche die Zahlen mit deiner Stromrechnung. Steigt dein Jahresverbrauch nach dem Einbau stark an, ist der Infrarotheizung Stromverbrauch meist der Grund – und ein Blick auf Dimensionierung und Thermostateinstellung lohnt sich.
So senkst du den Stromverbrauch deiner Infrarotheizung
Mit der richtigen Planung und ein paar Gewohnheiten holst du deutlich mehr aus jeder Kilowattstunde heraus.
- Richtig dimensionieren: Zu kleine Paneele laufen dauerhaft auf Volllast, zu große schalten ständig. Plane nach der Faustformel für deinen Dämmstandard.
- Optimal platzieren: Hänge Paneele gegenüber von Fenstern oder kalten Außenwänden auf, niemals hinter Schränke oder Vorhänge.
- Thermostat nutzen: Ein Raumthermostat mit Zeitprogramm verhindert, dass leere Räume geheizt werden. Smarte Thermostate erkennen sogar offene Fenster.
- Temperatur absenken: Jedes Grad weniger spart grob sechs Prozent Heizenergie – bei Strahlungswärme fällt dir das kaum auf.
- Tarif prüfen: Vergleiche Haushalts- und Heizstromtarife. Manche Anbieter öffnen Wärmepumpentarife auch für Direktheizungen.
Viele weitere Tipps zur Technik, zum Verbrauch und zur Klimabilanz findest du bei co2online zur Infrarotheizung.

So gehst du jetzt vor
Bevor du Paneele bestellst, kläre drei Fragen: Wie viel Wärme braucht der Raum wirklich? Wie oft nutzt du ihn? Und welche Alternative hättest du? Für ein einzelnes Bad oder ein Gästezimmer ist die Infrarotheizung oft die einfachste und günstigste Lösung. Für das ganze Haus rechnet sich dagegen fast immer eine effizientere Heizung.
Lies deinen aktuellen Stromzähler einmal vor und einmal nach einer Woche Heizbetrieb ab. So siehst du deinen echten Infrarotheizung Stromverbrauch und kannst auf das Jahr hochrechnen. Weitere Ratgeber rund um effizientes Heizen und Strom findest du im Ressort Energie & Smart Home.
FAQ: Häufige Fragen zum Stromverbrauch der Infrarotheizung
Wie viel Strom verbraucht eine Infrarotheizung pro Stunde?
Eine Infrarotheizung verbraucht pro Stunde so viel Kilowattstunden, wie ihre Leistung in Kilowatt beträgt. Ein 600-Watt-Paneel braucht bei Volllast also 0,6 kWh pro Stunde, das kostet bei 35 Cent pro kWh rund 21 Cent. Mit Thermostat läuft das Gerät meist nur einen Teil der Zeit.
Wie viel kostet eine Infrarotheizung im Monat?
Das hängt vom Wärmebedarf ab. Ein Bad mit 600-Watt-Paneel kostet in der Heizsaison rund 10 bis 15 Euro im Monat. Heizt du ein ganzes Einfamilienhaus im teilsanierten Altbau elektrisch, können in den Wintermonaten mehrere hundert Euro pro Monat zusammenkommen.
Ist eine Infrarotheizung günstiger als eine Wärmepumpe?
In der Anschaffung ja, im Betrieb nein. Eine Wärmepumpe erzeugt aus einer Kilowattstunde Strom etwa drei bis vier Kilowattstunden Wärme, eine Infrarotheizung nur eine. Bei gleichem Wärmebedarf zahlst du für Infrarotwärme deshalb oft das Drei- bis Vierfache an Stromkosten.
Wie viel Watt Infrarotheizung brauche ich pro Quadratmeter?
Als Faustregel gelten 60 Watt pro Quadratmeter im gut gedämmten Neubau, rund 80 Watt im teilsanierten Altbau und 100 Watt oder mehr im ungedämmten Altbau. Für einen 20 Quadratmeter großen Raum brauchst du also etwa 1.200 bis 2.000 Watt Heizleistung.
Wann lohnt sich eine Infrarotheizung?
Eine Infrarotheizung lohnt sich für selten genutzte Räume, als Zusatzheizung im Bad, in der Übergangszeit oder in sehr gut gedämmten Häusern mit geringem Wärmebedarf. Als alleinige Heizung im schlecht gedämmten Altbau ist sie wegen des hohen Stromverbrauchs meist die teuerste Lösung.
