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Regenwasser nutzen: Regentonne oder Zisterne? Kosten, Größe & Regeln 2026

Du willst Regenwasser sammeln und Gebühren sparen? So findest du die passende Lösung zwischen Regentonne und Zisterne und berechnest Größe und Kosten.

ML
Moritz Lindner | 14. Oktober 2026 · aktualisiert am 20. Oktober 2026 | 9 Min. Lesezeit
Regenwasser nutzen: Regentonne zum Sammeln von Regenwasser im Garten

Regenwasser nutzen spart dir bares Geld, schont das Trinkwasser und versorgt deine Pflanzen mit weichem, kalkfreiem Wasser. Nach trockenen Sommern und immer häufigeren Starkregen lohnt sich ein eigener Speicher mehr denn je. Ob dir eine einfache Regentonne reicht oder sich eine Zisterne rechnet, hängt von Dachfläche, Bedarf und deiner Kommune ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Regentonne mit 200 bis 500 Litern reicht für Balkon, Hochbeet und kleine Gärten, eine Zisterne mit 1.500 bis 10.000 Litern versorgt auch große Flächen sowie WC und Waschmaschine.
  • Die passende Speichergröße ergibt sich aus Dachfläche, Niederschlag und Wasserbedarf.
  • Viele Kommunen senken die Niederschlagswassergebühr oder fördern Zisternen, oft aber nur auf Antrag.
  • Eine Regenwasseranlage im Haus musst du nach Trinkwasserverordnung beim Gesundheitsamt anzeigen, das Leitungsnetz bleibt strikt vom Trinkwasser getrennt.

Warum es sich lohnt, Regenwasser zu nutzen

Wenn du Regenwasser nutzen willst, zielst du auf einen großen Teil deines Verbrauchs: Rund 40 Prozent des häuslichen Wasserverbrauchs entfallen laut Verbraucherzentrale NRW auf Gartenbewässerung, Waschmaschine und Toilettenspülung. Für all diese Zwecke brauchst du kein aufbereitetes Trinkwasser. Regenwasser ist außerdem weich, Pflanzen vertragen es besser als kalkhaltiges Leitungswasser, und in der Waschmaschine sparst du Waschmittel.

Dazu kommt der Klimaaspekt. Längere Trockenphasen und heftigere Regenfälle wechseln sich zunehmend ab. Ein Speicher fängt Starkregen ab, entlastet die Kanalisation und hält Wasser für trockene Wochen vor.

Auch dein Geldbeutel profitiert doppelt: Du kaufst weniger Trinkwasser und zahlst in vielen Kommunen geringere Abwassergebühren. Wie stark sich das auswirkt, zeigt der Abschnitt zu Kosten und Gebühren weiter unten.

Regentonne oder Zisterne: Was passt zu dir?

Wer Regenwasser nutzen möchte, ohne zu baggern, beginnt mit der Regentonne. Du stellst sie an ein Fallrohr, montierst einen Regensammler mit Überlaufstopp und hast nach dem nächsten Schauer Gießwasser. Sie kostet wenig, braucht keine Genehmigung und ist im Winter schnell entleert.

Die Zisterne liegt unterirdisch und fasst ein Vielfaches. Sie bleibt kühl und dunkel, sodass sich kaum Algen bilden. Mit Pumpe und Filter versorgt sie Gartenschlauch, Bewässerungsanlage oder sogar Toilette und Waschmaschine. Dafür musst du baggern und deutlich mehr investieren.

KriteriumRegentonneWandtank / oberirdischer TankErdzisterne
Volumen (ca.)200–500 l300–2.000 l1.500–10.000 l
Kosten (ca.)30–250 €200–1.200 €1.500–6.000 € im Garten, mehr fürs Haus
Einbauselbst, in einer Stundeselbst, Fundament nötigErdarbeiten, oft Fachbetrieb
NutzungGießkanneGießkanne, SchlauchGarten, WC, Waschmaschine
Frostim Winter entleerenim Winter entleerenfrostsicher im Boden

Alle Preise sind Richtwerte, Stand Herbst 2026, und schwanken je nach Material, Region und Aufwand für Erdarbeiten deutlich.

Grüne Wassertanks zum Regenwasser nutzen in einem Hof
Oberirdische Tanks sind ein guter Mittelweg: mehr Volumen als eine Tonne, aber ohne Erdarbeiten.

Material der Zisterne

Kunststoffzisternen aus Polyethylen sind leicht und lassen sich mit Minibagger und etwas Erfahrung selbst setzen. Achte auf die Befahrbarkeit: Unter Einfahrten brauchst du verstärkte Modelle. Betonzisternen sind schwer und teurer im Einbau, halten aber sehr lange und neutralisieren leicht saures Regenwasser.

Wie groß muss die Zisterne sein?

Die Zisternengröße berechnest du aus dem kleineren Wert von Regenertrag und Jahresbedarf, multipliziert mit etwa 0,06. Das entspricht einem Vorrat für rund drei Wochen Trockenheit. Für einen typischen Vier-Personen-Haushalt mit Garten ergeben sich meist 3.000 bis 6.000 Liter.

So gehst du Schritt für Schritt vor:

  1. Dachfläche ermitteln: Maßgeblich ist die Grundfläche des Dachs, nicht die schräge Fläche. Beispiel: 120 Quadratmeter.
  2. Niederschlag nachschlagen: Deutschland liegt im Mittel bei rund 700 bis 800 Litern pro Quadratmeter und Jahr, regional deutlich mehr oder weniger. Beispiel: 700 Liter.
  3. Abflussbeiwert ansetzen: Ziegeldach etwa 0,8, Flachdach mit Kies etwa 0,6, Gründach nur 0,3 bis 0,5. Dazu kommt ein Filterverlust von rund 10 Prozent.
  4. Ertrag berechnen: 120 x 700 x 0,8 x 0,9 = rund 60.000 Liter pro Jahr.
  5. Bedarf schätzen: Toilette etwa 24 Liter pro Person und Tag, für vier Personen rund 35.000 Liter. Garten mit 200 Quadratmetern bei etwa 60 Litern pro Quadratmeter und Saison: 12.000 Liter. Summe: 47.000 Liter.
  6. Speicher dimensionieren: Kleinerer Wert (47.000 Liter) mal 0,06 = rund 2.800 Liter. Mit Reserve wählst du 3.000 bis 4.000 Liter.

Willst du Regenwasser nur im Garten nutzen, reicht oft ein kleinerer Speicher. Ein Hochbeet und ein paar Sträucher kommen mit 500 bis 1.000 Litern gut über den Sommer. Wie du ein Hochbeet anlegst, das weniger Wasser verliert, liest du im Ratgeber Hochbeet bauen.

Was kostet es, Regenwasser zu nutzen?

Eine Regentonne mit Regensammler kostet rund 50 bis 250 Euro. Eine Gartenzisterne mit 3.000 bis 5.000 Litern, Filter und Pumpe liegt inklusive Einbau oft bei 2.500 bis 6.000 Euro. Für eine Hausanlage mit zweitem Leitungsnetz musst du mit 5.000 bis 10.000 Euro oder mehr rechnen.

Willst du Regenwasser nutzen und eine Zisterne einbauen, entscheiden vor allem drei Kostenblöcke:

  • Erdarbeiten: Aushub, Abtransport, Verfüllung. Je nach Boden und Zufahrt der teuerste Posten.
  • Technik: Filter im Zulauf, beruhigter Zulauf, schwimmende Entnahme, Tauchpumpe oder Hauswasserwerk, Überlauf mit Rückstauschutz.
  • Installation im Haus: separates Leitungsnetz, Trinkwassernachspeisung mit freiem Auslauf, Kennzeichnung der Zapfstellen.

Im Neubau fällt der Aufwand für das zweite Leitungsnetz kaum ins Gewicht, im Bestand ist er oft hoch. Planst du ohnehin eine größere Sanierung, lohnt es sich, die Leitungen gleich mitzuverlegen.

Förderung und Abwassergebühr: So sparst du zusätzlich

In den meisten Kommunen zahlst du neben der Schmutzwassergebühr eine Niederschlagswassergebühr. Sie richtet sich nach der versiegelten Fläche, die ins Kanalnetz entwässert, und liegt je nach Ort grob zwischen 0,30 und 2 Euro pro Quadratmeter und Jahr. Leitest du dein Dach in eine Zisterne, kannst du diese Gebühr oft teilweise oder ganz reduzieren.

Das passiert allerdings nicht automatisch. Du musst die Abkopplung bei deiner Stadt oder Gemeinde melden und meist beantragen. Die Regeln stehen in der örtlichen Entwässerungssatzung, die du in der Regel auf der Webseite deiner Kommune findest. Die Verbraucherzentrale NRW fasst die wichtigsten Punkte in ihrem Ratgeber Regenwasser sinnvoll nutzen zusammen.

Zwei Punkte solltest du kennen:

  • Schmutzwasser aus Regenwasser: Nutzt du Regenwasser für WC oder Waschmaschine, landet es danach im Kanal. Viele Kommunen verlangen dafür einen Zähler und berechnen die Schmutzwassergebühr.
  • Zisternenförderung: Zahlreiche Städte und Gemeinden bezuschussen Zisternen, Versickerungsanlagen oder Gründächer. Höhe und Bedingungen unterscheiden sich stark, eine bundesweite Standardförderung gibt es nicht. Frag vor dem Kauf bei deiner Kommune nach, denn viele Programme verlangen den Antrag vor Baubeginn.

Regenwasser nutzen: rechtliche Hinweise für Haus und Garten

Für eine Regentonne im eigenen Garten brauchst du keine Genehmigung. Bei Zisternen und vor allem bei der Nutzung im Haus gelten dagegen klare Regeln.

Anzeige beim Gesundheitsamt

Willst du Regenwasser im Haus nutzen, etwa für Toilette oder Waschmaschine, betreibst du eine sogenannte Nichttrinkwasseranlage. Nach Paragraf 12 der Trinkwasserverordnung musst du sie dem Gesundheitsamt spätestens vier Wochen vor Beginn der Errichtung anzeigen. Auch die Stilllegung ist meldepflichtig. Informiere außerdem deinen Wasserversorger.

Strikte Trennung vom Trinkwasser

Regenwasserleitungen dürfen nie mit dem Trinkwassernetz verbunden sein. Muss die Zisterne bei Trockenheit nachgespeist werden, geschieht das über einen freien Auslauf, der einen Rückfluss physikalisch ausschließt. Zapfstellen kennzeichnest du dauerhaft mit „Kein Trinkwasser“, damit niemand versehentlich davon trinkt. Lass die Hausinstallation von einem eingetragenen Installationsbetrieb ausführen.

Baurecht und Satzung

Erdzisternen sind auf Privatgrundstücken meist verfahrensfrei. Die Landesbauordnungen und Bebauungspläne können aber Vorgaben machen, etwa zu Abständen oder zur Versickerung. Im Zweifel fragst du beim Bauamt nach. Wie Genehmigungsverfahren grundsätzlich ablaufen, erklärt unser Ratgeber zum Ablauf eines Bauantrags.

Regenwasser nutzen: gelbe Gießkanne auf einem Holzpfosten im Garten
Mit gesammeltem Regenwasser füllst du die Gießkanne kostenlos.

Praxis-Tipps für Regentonne und Zisterne

Damit du Regenwasser nutzen kannst, ohne Ärger mit Algen, Mücken oder Frost, helfen ein paar einfache Handgriffe:

  • Abdecken: Ein dichter Deckel hält Mücken, Laub und Licht fern und schützt Kinder und Kleintiere.
  • Filtern: Ein Laubfangsieb in der Dachrinne und ein Filter vor dem Speicher verhindern Schlamm.
  • Winterfest machen: Regentonnen und Tanks vor dem ersten Frost leeren, Regensammler auf Winterbetrieb stellen.
  • Regelmäßig prüfen: Zisternen etwa alle paar Jahre auf Sediment kontrollieren und Filter mehrmals pro Jahr reinigen.
  • Gezielt gießen: Morgens gießen und Tropfschläuche nutzen spart Wasser.

Gerade im Herbst nimmt der Rasen nach trockenen Sommern viel Wasser auf, vor allem nach einer Nachsaat. Was du jetzt sonst noch tun solltest, liest du im Ratgeber Rasen im Herbst. Wer Regenwasser zusätzlich versickern lässt, etwa in einer Mulde oder einem Teich, schafft wertvolle Feuchtzonen für einen Naturgarten.

Dein nächster Schritt

Miss deine Dachfläche aus und schätze ab, wofür du Regenwasser nutzen willst: nur im Garten oder auch im Haus. Für den Garten reicht oft schon eine Regentonne oder ein Wandtank, den du noch vor dem Frühjahr aufstellen kannst. Für eine Zisterne rechnest du mit der Formel oben die passende Größe aus.

Ruf danach bei deiner Kommune an und frag nach der Entwässerungssatzung, der Niederschlagswassergebühr und möglichen Zuschüssen. Erst wenn du diese Antworten hast, holst du Angebote ein. Weitere Ideen für deinen Außenbereich findest du im Ressort Garten & Outdoor.

FAQ: Häufige Fragen zum Regenwasser nutzen

Wie viel Geld spart man mit einer Zisterne?

Das hängt von Wasserpreis, Gebühren und Nutzung ab. Ein Vier-Personen-Haushalt, der Toilette und Garten mit Regenwasser versorgt, kann jährlich viele Kubikmeter Trinkwasser ersetzen. Dazu kommt oft eine reduzierte Niederschlagswassergebühr. Je nach Kommune summiert sich das auf einige hundert Euro im Jahr, die Anschaffung amortisiert sich trotzdem meist erst nach vielen Jahren.

Muss man eine Zisterne anmelden?

Eine reine Gartenzisterne ist meist verfahrensfrei, die Abkopplung vom Kanal musst du aber oft bei der Gemeinde melden. Nutzt du Regenwasser im Haus, etwa für Toilette oder Waschmaschine, schreibt die Trinkwasserverordnung eine Anzeige beim Gesundheitsamt vor, spätestens vier Wochen vor Baubeginn. Informiere zusätzlich deinen Wasserversorger.

Wie groß sollte eine Regentonne sein?

Für Balkon, Hochbeet oder einen kleinen Garten reichen 200 bis 300 Liter. Für einen mittelgroßen Garten mit Gemüsebeeten sind 500 Liter oder mehrere verbundene Tonnen sinnvoll. Reicht das nicht, lohnt sich ein Wandtank oder eine Zisterne. Ein Regensammler mit Überlaufstopp verhindert, dass die Tonne bei Starkregen überläuft.

Kann man Regenwasser für die Waschmaschine nutzen?

Ja, Regenwasser eignet sich gut für die Waschmaschine, weil es weich ist und du weniger Waschmittel brauchst. Voraussetzung ist eine Zisterne mit Filter und ein eigenes Leitungsnetz, das strikt vom Trinkwasser getrennt ist. Die Anlage musst du beim Gesundheitsamt anzeigen und fachgerecht installieren lassen.

Wann lohnt sich eine Zisterne?

Eine Zisterne lohnt sich vor allem bei großer Dachfläche, hohem Gießbedarf und einer Kommune, die die Niederschlagswassergebühr senkt oder Zuschüsse zahlt. Besonders wirtschaftlich ist sie im Neubau, weil das zweite Leitungsnetz dort günstig mitverlegt wird. Für kleine Gärten reicht oft eine Regentonne oder ein Wandtank.

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Über die Autorin / den Autor

Moritz Lindner

Moritz Lindner ist Gärtnermeister mit eigenem Naturgarten am Stadtrand. Im Ressort Garten & Outdoor schreibt er über heimische Pflanzen, Terrassenbau und den sparsamen Umgang mit Wasser.

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